| 6 Minuten Lesezeit|18. August 2026
Wie viel Strom wird Ihre Photovoltaikanlage künftig liefern? Mit der Ertragsprognose lässt sich Ihr möglicher Solarertrag berechnen. Diese Schätzung bildet die Grundlage jeder Investitionsentscheidung.

Bevor man sich für eine Photovoltaikanlage entscheidet, stellt sich eine zentrale Frage: Wie viel Strom wird sie liefern? Nur mit einer realistischen Einschätzung lassen sich Anschaffungskosten, Amortisationszeit und Wirtschaftlichkeit seriös beurteilen. Mittels der Ertragsprognose lässt sich diese jährlich zu erwartende Stromproduktion einer Photovoltaikanlage vorhersagen. Dabei werden Standort, Ausrichtung, Dachneigung und weitere technische Faktoren berücksichtigt. Die Ertragsprognose ist deshalb vor dem Kauf entscheidend, weil sie zeigt, nach wie vielen Jahren sich die Investition amortisiert, und weil sie die Grundlage für eine solide Finanzierungsplanung bildet. Außerdem hilft eine gute Ertragsprognose dabei, die passende Anlagengröße zu wählen und Fehlinvestitionen zu vermeiden.
Defintion
Die Ertragsprognose schätzt, wie viel Strom eine geplante Photovoltaikanlage künftig erzeugen wird.
Zeitpunkt
Anders als die PV-Ertragsberechnung wird die Prognose vor dem Kauf der Anlage erstellt.
Berechnung
Eine einfache Faustformel (Anlagenleistung mal spezifischer Ertrag) liefert bereits eine erste Schätzung.
Genauigkeit
Für eine verlässliche Grundlage lohnt sich zusätzlich eine professionelle Simulation eines Fachbetriebs.
Eine Ertragsprognose einer Photovoltaikanlage ist eine Vorhersage für die Zukunft. Sie dient dazu, schon vor der Anschaffung eine realistische Entscheidungsgrundlage zu liefern. Da die Anlage noch nicht existiert, lässt sich der künftige Solarertrag jedoch nur schätzen. Das geschieht auf Basis von langjährigen Globalstrahlungsdaten, der geplanten Ausrichtung und Neigung sowie den technischen Daten der vorgesehenen Module und Wechselrichter. Diese Schätzung ist somit die Grundlage, um vor dem Kauf zu beurteilen, ob sich eine Anlage überhaupt lohnt.
Die PV-Ertragsberechnung funktioniert dagegen anders. Hier wird nicht geschätzt, sondern ausgewertet, wie viel Strom eine bereits installierte Anlage tatsächlich produziert hat. Die Werte stammen aus dem Wechselrichter, dem Stromzähler oder einem Monitoring-System und zeigen die reale Leistung der Anlage. So lässt sich prüfen, ob die Anlage wie erwartet läuft oder ob sie beispielsweise durch Verschattung, Verschmutzung oder technische Defekte weniger liefert als geplant.
Planen Sie eine neue Photovoltaikanlage, liefert Ihnen also die Ertragsprognose die Grundlage für Ihre Investitionsentscheidung. Betreiben Sie bereits eine Anlage, zeigt Ihnen die Ertragsberechnung anhand realer Messdaten aus Wechselrichter oder Monitoring, wie viel Solarertrag sie tatsächlich liefert, und unterstützt so die laufende Kontrolle.
Egal ob Sie eine Ertragsprognose für Ihre Photovoltaikanlage erstellen oder Ihren Solarertrag berechnen, ein paar Begriffe tauchen dabei immer wieder auf.
Wenn Sie den voraussichtlichen Solarertrag einer geplanten Photovoltaikanlage berechnen möchten, gibt es dafür verschiedene Faustformeln. Welche sich für Ihre Ertragsprognose eignet, hängt davon ab, welche Werte Ihnen bereits vorliegen.
Jahresertrag (kWh) = Anlagenleistung (kWp) × spezifischer Ertrag (kWh/kWp)
Die einfache Formel eignet sich, wenn Sie bereits eine grobe Vorstellung von der geplanten Anlagenleistung in kWp haben, zum Beispiel aus einem ersten Angebot. Multiplizieren Sie diese Leistung mit dem regionalen spezifischen Ertrag. Dieser bezieht sich nicht auf Ihre eigene Anlage, sondern ist ein regionaler Durchschnittswert, der angibt, wie viel Strom eine Anlage an Ihrem Standort typischerweise pro kWp und Jahr erzeugt. So erhalten Sie den voraussichtlichen Jahresertrag Ihrer geplanten Anlage.
Jahresertrag (kWh) = Globalstrahlung (kWh/m²) × Modulfläche (m²) × Modulwirkungsgrad × Performance Ratio
Wenn Ihnen noch keine fertige kWp-Zahl vorliegt, Sie aber bereits ein bestimmtes Modul im Blick haben, ist die detaillierte Formel die passende Wahl. Den Modulwirkungsgrad entnehmen Sie dem Datenblatt des Herstellers, die Modulfläche ergibt sich aus der geplanten Anzahl und Größe der Module. Die Globalstrahlung Ihres Standorts finden Sie kostenlos im europäischen Tool PVGIS oder in den Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes. Zusätzlich benötigen Sie eine Performance Ratio. Diese ist bei einer geplanten Anlage ebenfalls kein gemessener Wert, sondern ein angenommener Erfahrungswert, für gute Anlagen meist 75 bis 85 Prozent.
Wer nicht selbst rechnen möchte, kann sich auch am Jahresertrag gängiger Anlagengrößen orientieren. Diese basieren auf der einfachen Formel und dem bundesweiten Durchschnittswert von 922 kWh/kWp. Die tatsächlichen Werte können dennoch abweichen.
| Anlagengröße | Jahresertrag (Ø) |
|---|---|
3 kWp | 2.766 kWh |
4 kWp | 3.688 kWh |
5 kWp | 4.610 kWh |
6 kWp | 5.532 kWh |
7 kWp | 6.454 kWh |
8 kWp | 7.376 kWh |
9 kWp | 8.298 kWh |
10 kWp | 9.220 kWh |
11 kWp | 10.142 kWh |
12 kWp | 11.064 kWh |
13 kWp | 11.986 kWh |
14 kWp | 12.908 kWh |
15 kWp | 13.830 kWh |
Eigene Berechnung auf Basis eines spezifischen Ertrags von 922 kWh/kWp (Quelle: Fraunhofer ISE, bundesweiter Durchschnittswert für Photovoltaik-Dachanlagen).

Die Faustformel liefert eine gute erste Orientierung, ersetzt aber keine professionelle Planung. Sie basiert auf Durchschnittswerten und Annahmen, weshalb das tatsächliche Ergebnis je nach Wetterjahr und individuellen Gegebenheiten abweichen kann. Eine professionelle Simulation bildet Ihr Dach in 3D ab und liefert eine deutlich zuverlässigere Prognose.
Auch wenn eine professionelle Simulation die technischen und geometrischen Gegebenheiten sehr genau abbildet und oft auch reale Wetterdaten heranzieht, ist sie keine Garantie. Verschiedene Faktoren entscheiden am Ende mit darüber, ob Ertrag und Prognose übereinstimmen.
All diese Faktoren sind zugleich die häufigsten Fehlerquellen bei der Ertragsprognose. Wer sie bei der eigenen Berechnung übersieht oder zu optimistisch einschätzt, riskiert eine Prognose, die deutlich über dem später tatsächlich erzielten Ertrag liegt. Das wirkt sich direkt auf Amortisationszeit und Wirtschaftlichkeit aus, also genau die Punkte, die am Anfang für die Kaufentscheidung wichtig waren.
Eine Photovoltaikanlage liefert sowohl übers Jahr als auch über den einzelenen Tag berteilt. keineswegs gleichmäßig Strom. Wie stark Ertrag und Zeitpunkt schwanken, zeigt sich sowohl im saisonalen Verlauf über die Monate als auch im täglichen Verlauf zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Beides ist für die Einordnung Ihrer eigenen Ertragsprognose wichtig.
Wie sich der Solarertrag über das Jahr verteilt, lässt sich anhand offizieller Daten von SMARD nachvollziehen. SMARD ist die Marktdatenplattform der Bundesnetzagentur und erfasst, wie viel Strom in Deutschland tatsächlich erzeugt und verbraucht wird. Im Jahr 2025 waren die stärksten Monate Mai, Juni, Juli und August. Die schwächsten Monate waren Januar und Dezember.
Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, dass diese Zahlen die Summe aller Photovoltaikanlagen in Deutschland abbilden. Das beinhaltet private Dachanlagen ebenso wie große Freiflächenanlagen. Für Ihre eigene Anlage lässt sich daraus nicht die exakte Zahl übernehmen, wohl aber die grundsätzliche Verteilung: Sonnenstand und Tageslänge sorgen bundesweit für dasselbe saisonale Muster, wenig Ertrag im Winter, deutlich mehr im Frühsommer. Das sollten Sie bei Ihrer Ertragsprognose berücksichtigen. Wie stark Ihre eigene Anlage im Detail davon abweicht, hängt von den Faktoren aus dem vorherigen Abschnitt ab.
Quelle: SMARD.de (Bundesnetzagentur), realisierte Photovoltaik-Erzeugung Deutschland 2025.
Auch im Tagesverlauf folgt die Erzeugung einem festen Muster. Laut Fraunhofer ISE erreicht die bundesweite Solarstromerzeugung ihre Höchstwerte um die Mittagszeit. Ebenso zeigt die stundenweise Auswertung von SMARD, dass die bundesweite Erzeugung 2025 um 12 Uhr am höchsten war. In den frühen Morgen- und späten Abendstunden liegt sie dagegen bei praktisch null.
Für Ihre eigene Ertragsprognose ist das mehr als eine Randnotiz: Die reine Jahresertrags-Zahl sagt noch nichts darüber aus, wie viel des erzeugten Solarertrags Sie auch tatsächlich selbst nutzen können. Entscheidend ist zusätzlich, zu welcher Uhrzeit Sie selbst Strom benötigen. Behalten Sie diese Schwankungen deshalb im Kopf.
Eigene Berechnung auf Basis der SMARD-Stundenwerte (Bundesnetzagentur), realisierte Photovoltaik-Erzeugung Deutschland 2025.

Mit einem Stromspeicher lassen sich diese Schwankungen abfedern. Überschüssiger Solarstrom vom Mittag wird zwischengespeichert und steht auch abends oder nachts zur Verfügung, wenn die Anlage selbst keinen Strom mehr liefert. Das erhöht Ihren Eigenverbrauchsanteil deutlich und macht Sie unabhängiger vom Strompreis am Abend.
Die Ertragsprognose ist mehr als eine technische Rechengröße. Sie beeinflusst direkt, ob und wie sich die Anschaffung einer Photovoltaikanlage lohnt. Sie zeigt, wie schnell sich die Investition amortisiert, wie realistisch sich die Finanzierung kalkulieren lässt und welche Anlagengröße tatsächlich zu Ihrem Verbrauch passt. Wer hier zu optimistisch rechnet oder wichtige Faktoren wie Verschattung, Ausrichtung oder den eigenen Stromverbrauch im Tagesverlauf übersieht, riskiert eine Fehleinschätzung, die sich erst Jahre später bemerkbar macht.
Mit Richtwerten und Faustformeln können Sie sich zwar einen ersten Überblick verschaffen. Für eine verlässliche Grundlage vor dem Kauf lohnt sich aber eine professionelle Planung inklusive Simulation. Auch die Frage, ob sich ein Stromspeicher lohnt, hängt eng mit der Ertragsprognose zusammen. Erst wenn Sie wissen, wie viel Strom Ihre Anlage wann erzeugt, lässt sich beurteilen, wie viel zusätzlicher Eigenverbrauch durch einen Speicher realistisch möglich ist.
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